Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Ortsverband Mühlacker

Artenschutz


Das größte Problem für viele Tierarten ist das Fehlen von Nistmöglichkeiten durch die Zerstörung des Lebensraums.
Deshalb ist eine wichtige Möglichkeit des Artenschutzes die Bereitstellung von Nistplätzen.

Eine große Bedrohung für viele Pflanzenarten ist die Intensiv-Landwirtschaft und der Einsatz von Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln.

Dies sind einige Beispiele für Arten, die wir durch gezielte Aktivitäten unterstützen:
Mehlschwalbe Ackerwildkräuter Steinkauz Hornisse Amphibien Storch Wiedehopf Eisvogel

Mehlschwalben

Die Mehlschwalbe war vor nicht allzulanger Zeit ein häufiger und weitverbreiteter Brutvogel in Mühlacker und allen Dörfern ringsum. Die Frühlingsboten kehren Ende März bis Mitte April aus ihren Überwinterungsgebieten südlich der Sahara zurück und bleiben bei uns bis Ende September. Zumeist brüten die Mehlschwalbenpaare zweimal pro Jahr und ziehen dabei jeweils 2-5 Junge auf. Als Kulturfolger sind sie nahezu immer in menschlichen Siedlungen zu finden. Die Nester werden unter Überständen an Fassaden gebaut. Jedes Nest besteht aus ca. 700 bis 1 500 kleinen Erdklümpchen, die mit Speichel zu einer geschlossenen Nestmulde verklebt werden.

Die Mehlschwalbe ist eine der Vogelarten, deren Bestand bundesweit in den letzten 20 Jahren um mehr als 50% zurückgegangen ist. Der Bestandseinbruch hat neben Kimaschwankungen verschiedene Ursachen. Zum einen sind negative Veränderungen auf den Zugrouten und in den Überwinterungsgebieten für den Rückgang verantwortlich, aber auch hier bei uns in den Brutgebieten hat sich die Lage für die Mehlschwalbe erheblich verschlechtert.

Viele Brutplätze wurden bei Gebäudesanierungen und -isolierungen vernichtet. Zahlreiche Hausbesitzer dulden keine Mehlschwalbennester an ihren Fassaden, weil sie Verschmutzungen befürchten oder hygienische Bedenken haben. Ebenso wirken sich der Mangel an "Dreckpfützen" für Nistmaterial und ausreichend Insekten für die Ernährung und die Aufzucht der Jungen nachteilig für die Schwalben aus.

So verschwinden die "Frühlingsboten" und "Glücksbringer" nach und nach aus Dörfern und Städten. Auch im Raum Mühlacker sind mittlerweile die meisten Mehlschwalbenkolonien verschwunden. Während die etwas größeren Rauchschwalben an Rinder- und Pferdehaltung gebunden sind und ihre Nester nur in Ställen bauen, können die kleineren Mehlschwalben überall an geschützten Fassaden ihre Nester bauen.

Mit Nisthilfen kann man daher Mehlschwalben gut helfen. Gemeinsam mit Naturgarten e.V. und den Stadtwerken Mühlacker hat der BUND-Ortsverband ein Mehlschwalbenhaus mit 48 Nisthilfen am Hallenbad aufgestellt. Die Nähe zur Enz war bei der Standortwahl ein wichtiger Faktor, da Mehlschwalben gerne über Wasserflächen Insekten jagen. Weitere 48 Nisthilfen wurden an verschieden Gebäuden in der Stadt und den Teilorten angebracht.

Im Frühjahr 2011 wird es spannend ob die ersten Mehlschwalben die neuen Nisthilfen annehmen werden. Im Frühjahr/Sommer 2011 soll eine Bestandskartierung in Mühlacker und den Teilorten mehr Details für eine noch bessere Unterstützung der Mehlschwalbenpopulation bei uns erbringen.


Junge Mehlschwalben
Junge Mehlschwalben im Nest

Schwalbennester
Schwalben nisten gerne in Gruppen, deshalb werden auch mehrere Nisthilfen zusammen angebracht

Schwalbe am Nest
Erwachsene Mehlschwalbe am Nest

Schwalbenhaus
Das Schwalbenhaus vor dem Hallenbad bietet 48 Nistplätze

Ackerwildkräuter

Ackerwildkräuter wie Sommer-Adonisröschen, Kornblume oder Acker-Rittersporn begleiten seit Jahrtausenden unsere heimische Landwirtschaft. Im Raum Mühlacker waren besonders die steinigen Muschelkalkböden südlich der Enz und Ackerstandorte auf Keuperböden im Norden von artenreichen Ackerwildkrautvorkommen geprägt. Doch die Zeiten bunter Äcker ist vorbei.

Die Hälfte der in Baden-Württemberg vorkommenden Ackerwildkräuter ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Darunter leiden auch zahlreiche Tiere der Feldflur, die durch diese rasch fortschreitende Entwicklung ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Bereits seit Jahrzehnten sind auch bei uns zahlreiche Ackerwildkräuter durch den verstärkten Einsatz von Herbiziden, intensive Düngung, und effektive Saatgutreinigung massiv im Rückgang begriffen. Diese Situation hat sich in jüngster Zeit durch die veränderten Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft dramatisch zugespitzt.

Durch das Umbrechen der Getreidefelder direkt nach der Ernte und das Abspritzen der Kartoffeläcker mit Herbiziden vor der Ernte stehen viele Ackerwildkräuter nun vor dem Aussterben.

Der BUND-Regionalverband hat daher vor fünf Jahren das Projekt "Archeäcker" gestartet. Bei intensiver Nachsuche im "Heckengäu" konnten in den letzten Jahren an einst guten Standorten nur noch kümmerliche Vorkommen bedrohter Ackerwildkrautarten festgestellt werden. Einige Ackerwildkräuter konnten leider gar nicht mehr gefunden werden.

Rundblättriges Hasenohr
Rundblättriges Hasenohr

In nur wenigen Jahren sind somit ganze Pflanzengesellschaften verschwunden oder in Auflösung begriffen, die seit Jahrtausenden die Landwirtschaft begleitet haben und ein Bestandteil unserer Kulturlandschaft (sind) waren.

Auch unser BUND-Ortsverband hat sich in den letzten Jahren mit diesem Thema intensiv befasst und in der Umgebung von Mühlacker gezielt Samen seltener Ackerwildkräuter gesammelt.

In Zusammenarbeit mit Landwirt Uli Jaggy wurde bereits 2009 bei Schönenberg ein Ackerwildkrautreservat eingerichtet. In einen Wintergersteacker wurden 22 verschiedene Ackerwildkrautarten ausgesät. Der Acker wurde ackerwildkrautfreundlich bewirtschaftet und im Jahr 2010 blühten dort neben Klatschmohn und Acker-Rittersporn auch sehr seltene Arten wie Rundblättriges Hasenohr, Ranken-Platterbse und Venuskamm.

Kräutersammler
BUND-Mitglieder beim Sammeln von Saatgut

Auch 2010 wurde in der Umgebung von Mühlacker wieder erfolgreich nach bedrohten Ackerwildkräutern gesucht. Es konnten einige stark bedrohte Arten wie Acker-Löwenmaul und Kleinfrüchtiger Leindotter entdeckt und Saatgut gewonnen werden. Eine große Überraschung war ein Acker bei Lienzingen auf dem hunderte Sommeradonisröschen gefunden werden konnten.

So war es möglich in diesem Jahr zusätzliche Arten im Schönenberger Ackerwildkrautreservat auszusäen.

Auf einem von der Stadt Mühlacker zur Verfügung gestellten Grundstück werden von uns seit diesem Jahr gezielt besonders gefährdete Arten wie Gelber Günsel, Einjähriger Ziest oder Acker-Haftdolde in Reinkultur vermehrt um Saatgut zu gewinnen.

Mit diesem Artenschutzprojekt hoffen wir, zumindest regional viele vom Aussterben bedrohte Ackerwildkrautarten zu erhalten. In den kommenden Jahren soll gemeinsam mit Landwirten versucht werden, weitere Ackerflächen rund um Mühlacker in eine ackerwildkrautfreundliche Bewirtschaftung zu überführen. Auch die Suche nach weiteren bedrohten Arten wie Finkensame, Kornrade oder Flammen-Adonisröschen soll fortgesetzt werden. Die Samenbank gefährdeter Ackerwildkräuter in unseren Ackerböden verarmt von Jahr zu Jahr, daher muss jetzt gehandelt werden, um deren Aussterben zu verhindern.

Weitere Bilder von Ackerwildkräutern können Sie hier sehen.

Junge Steinkäuze
Junge Steinkäuze

Die Mutter während die Jungen beringt werden
Die Mutter, während die Jungen beringt werden

Steinkauz

Die wenigsten Menschen werden den heimlichen Nachtjäger kennen. Der seltene Vogel fällt allenfalls durch sein nächtliches Rufen auf. Sein Lebensraum bei uns sind große zusammenhängende Streuobstgebiete in denen er nachts Insekten, Mäuse und Kleinvögel erbeutet. Der kleine, ca. 20 cm hohe Steinkauz, war im alten Griechenland ein verehrtes Tier und mit den Göttern im Bunde; dies ist auch noch heute in seinem zoologischen Namen "Athene noctua" dokumentiert.

Auf der Gemarkung Mühlacker brütete der Steinkauz 1992 zum letzten mal. 1997 entschlossen sich die Naturschützer vom BUND Mühlacker durch den Einsatz von speziellen Steinkauzniströhren eine Wiederansiedlung zu unterstützen. Bei einer Kontrolle konnten dann 1998 endlich Steinkäuze samt Nachwuchs entdeckt werden. Ganz langsam scheint sich nun wieder ein kleiner Bestand der seltenen Vögel rund um Mühlacker zu entwickeln.

Sollten Sie einen Steinkauz im Raum Enzkreis oder Ludwigsburg beobachtet haben, bitten wir Sie, diese Sichtung hier zu melden.

Falls Sie einen verletzten oder hilflosen Steinkauz finden sollten oder wenn Sie feststellen, daß eine unserer Brutröhren beschädigt oder abgestürzt ist, wenden Sie sich bitte an unsere Steinkauzbetreuerin Gaby Hoffmann, Telefon 07041/814629


Manchmal haben wir auch andere Gäste in den Niströhren. Wenn im Herbst die Röhren gereinigt werden, sind Hornissenvölker noch aktiv. Natürlich lassen wir die Tiere in Ruhe und reinigen die Röhre erst, wenn das Volk im Spätherbst abgestorben ist. Links hinter den Lüftungslöchern sind die gemaserten Waben erkennbar.

Bei dieser Röhre war vom Boden aus nicht erkennbar, dass sie von Hornissen bewohnt ist. Erst nach Besteigen der Leiter war die Wächterin zu sehen. Dieses Bild entstand aus weniger als 1 Meter Abstand vom Nest, trotzdem waren die Tiere völlig friedlich.

Hornisse

Der Ruf als gefährliches und aggressives Monsterinsekt ist überholt. Und das Märchen, daß durch sieben Stiche ein Pferd und durch drei Stiche ein Mensch getötet wird, glaubt heute (hoffentlich) niemand mehr. Die beeindruckenden, schwarzgelben Brummer sind vielmehr gutmütig und nützlich. Nur in Ausnahmefällen werden Menschen einmal gestochen und selbst in Nestnähe reagieren Hornissen eher neugierig als angriffslustig auf den Beobachter.
Bei Hornissen stehen hauptsächlich die weit aggressiveren, kleinen Wespenarten auf dem Speiseplan.

Der BUND-Ortsverband stellt an geeigneten Plätzen spezielle Nistkästen zur Verfügung und siedelt in Ausnahmefällen Hornissenvölker um. Nur bei akuter Gefahr für Menschen oder das Hornissenvolk ist diese Maßnahme möglich.

Hier gibt es Infomaterial (PDF, 562KB)

Hornisse an einer reifen Frucht
Hornisse an einer reifen Frucht



Feuersalamander


Erdkröten laichen zwischen den Wasserpflanzen



Amphibien

Jedes Jahr wandern verschiedene Amphibien von ihren Winterquartieren zum angestammten Laichgewässer. Bei mildem und regnerischem Wetter sind diese Tiere nachts unterwegs.
Um die Wanderung der gefährdeten Tiere zum Wullesee in Mühlacker zu schützen betreuen zahlreiche Helfer des Motorsportclubs, des Musikvereins, des Schäferhundevereins, des Obst- und Gartenbauvereins, des Angelsportvereins und des BUND die ca. 600 Meter langen Krötenzäune.
Die Erdkrötenpopulation am Wullesee ist eine der größten im gesamten Enzkreis. Außer der Erdkröte wandern aber auch hunderte Grasfrösche, Teich- und Bergmolche und Feuersalamander jährlich zum Laichen an dieses Gewässer.

Storch

In unserem Land war der Weißstorch früher weit verbreitet. Vor 100 Jahren lebten etwa 500 Brutpaare im Rheintal, am Bodensee, entlang Donau, Enz und Neckar und dem Kraichgau. 1975 brüteten in ganz Baden-Württemberg nur noch 15 Paare dieses schönen Vogels. Dramatischer Verlust seiner Lebensräume, Verdrahtung der Landschaft mit Stromleitungen und und andere Gründe haben fast zum Verschwinden dieses Vogels geführt.
Heute brüten wieder über 250 Storchenpaare in Baden-Württemberg. In den letzten Jahren flogen hier im Durchschnitt 500-600 Jungstörche aus. Durch diese erfreuliche Entwicklung kommt es zu einer natürlichen Wiederbesiedlung geeigneter Lebensräume. In den letzten Jahren konnten vermehrt Störche entlang der Enz beobachtet werden, die zum Teil mehrere Monate im Gebiet blieben ohne jedoch zu brüten.
Genau in einer solchen Situation kann die Bereitstellung geeigneter Nisthilfen ausschlaggebend für eine erfolgreiche Wiederansiedlung sein. Das Pfarrhaus in Mühlhausen scheint dafür geeignet, da es hoch ist und in unmittelbarer Nähe zur Talaue liegt. Die großen Wiesengebiete entlang der Enz bieten dem Storch ausreichend Nahrung für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen. Käfer, Regenwürmer, Heuschrecken und Mäuse sind die Hauptbeute. Frösche stehen zwar auch auf seinem Speiseplan, sind aber nicht maßgeblich notwendig.

Weißstorch Weißstorch in der Enzschlinge Mühlhausen

Storchenrad in Mühlhausen/Enz
Storchenrad auf dem Pfarrhaus in Mühlacker-Mühlhausen

Wiedehopf
Wiedehopf

Nistkasten für Wiedehopfe
Nistkasten für Wiedehopfe

Wiedehopf

Der auffällige und ungewöhnliche Vogel ist den wenigsten Menschen bei uns bekannt. Als wärmeliebende Art ist der Wiedehopf hauptsächlich rund um das Mittelmeer und im Mittleren Osten verbreitet. In Baden Württemberg war er noch bis vor ca. 50 Jahren ein verbreiteter Brutvogel in den klimagünstigen Gebieten. Auch um Mühlacker gab es damals Brutvorkommen. Der Bestand nahm in der Folgezeit dramatisch ab. Nur am Kaiserstuhl konnten sich noch wenige Brutpaare halten.

Durch die spürbare Klimaveränderung und das damit verbundene trockene Wetter während der Brutzeit hat sich der Bestand wieder vergrößert und es konnten wieder Wiedehopfbruten außerhalb des Kaiserstuhlgebietes festgestellt werden. Auch im Raum Mühlacker wurde der Wiedehopf beobachtet. Durch geeignete Nisthilfen kann die Wiederansiedlung des Höhlenbrüters unterstützt werden. Von den meisten Menschen unbemerkt, reagieren zahlreiche Tierartenbereits seit geraumer Zeit auf das sich spürbar verändernde Klima. Viele Arten profitieren von den steigenden Temperaturen, noch mehr Arten leiden aber unter den sich verändernden Klimaverhältnissen.

Eisvogel

Der stark bedrohte "Fliegende Edelstein" benötigt fischreiche und saubere Gewässer, die im Winter nicht zufrieren. Entlang der Mittleren Enz findet er noch einen geeigneten Lebensraum. An Steilufern gräbt er seine Brutröhren und zieht darin seine Jungen auf. Früher wurde der schöne Vogel als Fischräuber stark verfolgt. Flußverbauung, Gewässerverschmutzung und zunehmender Wassersport haben seine Bestände überall stark zurückgehen lassen.

Der BUND-Ortsverband verbessert durch das Freihalten von Steilufern und das Eingraben künstlicher Brutröhren an geeigneten Uferbereichen die Brutmöglichkeiten. Auch dank dieser Maßnahmen sind an der Enz im Raum Mühlacker regelmäßig einige Brutpaare des Eisvogels anzutreffen. Auf überhängenden Zweigen lauert er am Ufer auf kleine Fische, die er im Sturzflug erbeutet.

Der zunehmende Kanutourismus auf der Enz ist während der Brutzeit zu einem Problem geworden. Häufige Störungen beim Füttern der Jungen stressen die Altvögel und können im schlimmsten Fall zur Aufgabe der Brut führen.


Eisvogel

Vergraben einer Eisvogelröhre
Ein Mitglied der BUND-Gruppe Mühlacker beim Eingraben einer Eisvogelröhre